Was ist zu tun, wenn man ein Hornissennest oder Wespennest im Garten hat?

August 21, 2015 in Ratgeber von Andreas Bodonge

Foto: flickr, "Hornet Hornisse" von Aah-Yeah

Foto: flickr, „Hornet Hornisse“ von Aah-Yeah

Ob Hornisse oder Wespe, jedwedes schwarz-gelb gestreifte Insekt ruft bei den Menschen meist mehr oder weniger Panik hervor. Viele fürchten sich vor einem Stich der Insekten, weshalb fast schon wild und unüberlegt auf die Tiere eingedroschen wird. Bei einigen hält sich die Panik jedoch einigermaßen in Grenzen, weshalb versucht wird, die Insekten durch Pusten von Eis, Getränk, Nussschnecke und Co. fernzuhalten. Was die Mehrheit jedoch nicht bedenkt: Hornissen und Wespen sind sehr friedliebende Tiere, die sich normalerweise eher vor dem Menschen zurückziehen, statt ihn gezielt anzugreifen. Anders sieht es hingegen aus, wenn man ihnen nicht mit dem nötigen Respekt begegnet. Denn auf Angriff reagieren die Tiere ebenfalls mit Angriff.

Bloß nicht reizen

Grundsätzlich muss sich erst einmal niemand, wirklich niemand von einer oder sogar von mehreren Hornissen fürchten. Die Insekten sind lediglich auf Nahrungssuche und haben alles andere in ihrem kleinen Köpfchen als den Menschen zu bekämpfen. Wer also einer Hornisse oder einer Wespe begegnen sollte, der sollte idealerweise Ruhe bewahren und das Tier nicht aggressiv machen. Aktives Vertreiben sollte man also unbedingt vermeiden. Auch Wegpusten ist zu unterlassen, denn der menschliche Atem besteht zum größten Teil aus Kohlendioxid, einem Gas, das die Insekten aggressiv macht.

Hornissennest im Garten – was nun?

Was kann man nun aber tun, wenn man auf seinem Grundstück ein Hornissen- oder Wespennest entdeckt? Bei Hornissen sollte man wissen, da diese inzwischen sehr seltenen Tiere unter Naturschutz stehen. Deshalb darf ein Hornissennest auf keinen Fall einfach mal eben entfernt werden. In jedem Fall muss man sich mit seiner zuständigen Gemeinde in Verbindung setzen um zu erfahren, ob eine Zerstörung oder Umsiedelung tatsächlich notwendig ist. Ohne Genehmigung drohen sonst gemäß § 69 Bundesnaturschutzgesetz saftige Geldbußen von bis zu 50.000 Euro. Aber auch mit einer Genehmigung darf die Beseitigung von Hornissen, oder Wespennestern nicht einfach selbst durchgeführt werden. Hier sollte man sich unbedingt mit der zuständigen Naturschutzbehörde, Umweltbehörde oder einem Naturschutzverein in Verbindung setzen, die sich verantwortungsvoll um die Tiere kümmern werden.

Woran erkennt man ein Hornissennest erkennen und was ist zu beachten?

Foto: flickr, "Hornets nest" von Hardo Müller

Foto: flickr, „Hornets nest“ von Hardo Müller

Ein Hornissennest, gleich wo es sich befindet, ist vor allem daran zu erkennen, dass die Ausscheidungen der Hornisse am Bau herunterlaufen. Ist das Nest direkt an einem Gebäude gebaut, kann dies daher oftmals zu Verschmutzungen an der Hauswand führen. Auch ältere Schuppen, Vogelnistkästen oder Holzverkleidungen dienen den Insekten häufig als Unterschlupf. Wer sich nicht vor den Tieren fürchtet oder sich von ihnen bedroht fühlt, für den empfiehlt es sich ein Behältnis mit etwas Katzenstreu oder Sand unter das Nest zu stellen, um die Ausscheidungen aufzufangen und Verschmutzungen zu vermeiden. Alternativ genügt es natürlich auch, einfach den Boden abzudecken.

 

Nun kann es natürlich auch vorkommen, dass man ein Nest in einem Rollladenkasten oder unter den Dachziegeln findet. Hierbei handelt es sich nur in den seltensten Fällen um ein Hornissennest. In der Regel ist dies ein Nest der sogenannten Kurzkopfwespe. Hier sollten Sie durchaus die Augen offenhalten, da die Kurzkopfwespe unter Umständen sogar die Bausubstanz des Hauses beschädigen kann. Daher sollte man hier durchaus einen Fachmann zu Rate ziehen, der sich um eine fachgerechte Umsiedelung der Insekten und die anschließende Entfernung des Wespennestes kümmern wird. Befindet sich ein Wespennest hingegen freihängend, etwa unter dem Dach, geht davon keinerlei Gefahr aus, ein Handeln ist also nicht notwendig.

Hornissennest gefahrlos und legal entfernen

Grundsätzlich empfiehlt es sich, sollte ein Hornissennest keine Bedrohung darstellen, einfach bis etwa Mitte oder Ende Oktober abzuwarten. Denn in dieser Zeit werden die Arbeiterinnen nach und nach sterben, während sich die Königin einen neuen Platz zur Überwinterung suchen wird. In der Regel verzieht sich diese dann beispielsweise in das Erdreich oder in einen morschen Baum. Sobald das Hornissennest leer ist, kann es gefahrlos und ohne das Risiko, ein Bußgeld zu kassieren, entfernt werden, da in diesem Fall keine Gefahr mehr für die Tiere ausgeht. Wird das Nest nicht entfernt, besteht die Möglichkeit, dass schon im nächsten Frühling eine neue Königin das Nest aufsuchen und darin eine neue Kolonie gründen wird.

Hornissen – natürliche Insektenvernichtungsmittel

Übrigens sind Hornissen sehr gute Nützlinge, denn zu ihrer Hauptnahrungsquelle zählen beispielsweise Wespen, Bienen oder Spinnen. Sollte man also beispielsweise ein Wespen- und ein Hornissennest in seinem Garten haben, sorgt die Natur in der Regel selbst dafür, dass die Wespen keine allzu große Bedrohung darstellen können. Einige Menschen, die sich des Nutzens der Hornisse bewusst sind und wissen, dass sich die Hornisse keineswegs für Kuchen oder süße Getränke interessiert, freuen sich deshalb durchaus, wenn sie auf ihrem Grundstück ein Hornissennest vorfinden. Auch der Nachbar hat dann keine rechtliche Handhabe, auf eine Entfernung des Hornissennestes zu bestehen, solange man nicht gezielt beabsichtigt hat, der Hornisse ein Zuhause zu bieten.

Wie gefährlich ist der Stich einer Hornisse?

Auch wenn sich das Gerücht hält, dass der Stich einer Hornisse tödlich sein soll: Das Gift der Hornisse ist grundsätzlich keineswegs giftiger oder gefährlicher als das einer Biene oder Wespe. Der Grund, weshalb viele Menschen glauben, Hornissenstiche seien wesentlich gefährlicher, dürfte wohl darin liegen, dass der Stachel der Hornisse schlichtweg größer und damit dicker ist als der einer Wespe oder Biene. Auch ist die Zusammensetzung des Hornissengiftes durchaus anders, weshalb ein bestimmter Inhaltsstoff aber dennoch lediglich den Schmerz ein wenig stärker empfinden lässt.

Der Stich einer Hornisse bleibt für einen gesunden, allergiefreien Menschen aber dennoch harmlos. Die mittlere letale Dosis des Hornissengiftes liegt Untersuchungen aus dem Jahr 1986 zufolge bei 90 mg je Kilogramm Körpergewicht, was bei einem 70 Kilogramm schweren Menschen also mehr als 12.000 Hornissenstichen entsprechen würde. Doch kein Hornissenvolk ist auch nur annähernd so groß, um diese Zahl jemals zu erreichen. Selbst in der Nähe eines Hornissennestes und auch nur, wenn die Tiere stark provoziert werden, werden meist nur wenige Stiche gezählt. Nur in sehr seltenen Fällen waren es bis zu 30 Stiche. Denn gerade einmal nur etwa 50 Arbeiterinnen je Nest befinden sich gleichzeitig außerhalb des Nestes, von denen aber die meisten mit Fliegen und Drohen beschäftigt sind, wohingegen lediglich etwa 20 Prozent der Tiere tatsächlich zum aktiven Angriff mit der Absicht zu stechen übergehen.

Der Stich einer Hornisse ist also bis auf die Schmerzen meist recht harmlos. Vorsicht ist lediglich für Allergiker geboten. Denn hier kann durchaus, je nach Schweregrad der Allergie, ein einziger Stich bereits ausreichen, um im schlimmsten Fall bis zum Tod zu führen.

 

Fotos:

„Hornet Hornisse“ by Aah-Yeah, https://www.flickr.com/photos/aah-yeah/2584654660 is licensed under a Creative Commons license (CC BY 2.0): https://creativecommons.org/licenses/by/2.0

„Hornets nest“ by Hardo Müller, https://www.flickr.com/photos/hardo/3237028225 is licensed under a Creative Commons license (CC BY-SA 2.0): https://creativecommons.org/licenses/by-sa/2.0