Herkulesstaude – giftige Pflanze erobert Deutschland

Juli 13, 2015 in Allgemein von Andreas Bodonge

Foto: flickr, retemirabile

Foto: flickr, „Heracleum mantegazzianum (Riesen-Bärenklau) #apiaceae“ von retemirabile

Die einen kennen sie als Herkulesstaude, anderen ist sie unter dem Namen Riesen-Bärenklau bekannt. Ihre eigentliche Heimat ist der westliche Kaukasus. Erst etwa im 19. Jahrhundert wurde die Pflanze als Besonderheit unter den Zierpflanzen nach Europa gebracht. Was vielen jedoch nicht bekannt ist: Die Herkulesstaude ist ein sehr dominanter Vertreter unter den Pflanzen. Wo sie wächst, haben heimische Pflanzen oftmals keine Chance mehr und werden schlichtweg verdrängt. Zwischen 10.000 und 50.000 Samen kann eine einzige Staude tragen, die nach ihrem Abwurf auch nach vielen Jahren noch keimen können. Hier ist von etwa fünf bis acht Jahren die Rede, einige Quellen berichten sogar von bis zu zehn Jahren. Deshalb ist die Bekämpfung der Pflanze auch so schwierig. Doch wieso eigentlich bekämpfen? Immerhin sollte es doch eine Zierpflanze sein?

Gefährliches Spiel

Auch wenn sie auch einige Menschen sehr imposant und auch anmutend wirken mag, so muss man sich vor der Herkulesstaude in Acht nehmen. Denn im Saft dieser Pflanze sind sogenannte Furanocumarine enthalten. Bei Sonneneinstrahlung kann eben dieser Stoff schlimmste Hautverbrennungen verursachen. Vor allem in Bayern, aber auch in anderen Teilen Deutschlands, breitet sich die Giftpflanze immer mehr aus.

Leider kommt es immer wieder vor, dass vor allem Kinder die Pflanze als „Spielzeug“ für sich entdecken. Denn die bis zu vier Meter hohe Staude besitzt im Durchmesser bis zu zehn Zentimeter messende Stängel, die innen hohl sind. Deshalb werden diese gerne auch als Blasrohr verwendet. Auch bieten die riesigen bis zu 3 Meter langen gezähnten Blätter und Dolden der Herkulesstaude den Kindern einen idealen Unterschlupf beim Versteckspiel. Aber auch Tiere wie etwa Hunde können bei Berührung mit der Pflanze schwere Verletzungen davontragen.

Verbrennungen durch Pflanzensaft

Foto: flickr, Rosmarie Voegtli

Foto: flickr, Rosmarie Voegtli

Genau hier liegt auch die Gefahr der Herkulesstaude. Denn ein direkter Hautkontakt mit der Pflanze und insbesondere mit dem Pflanzensaft kann sehr unangenehm werden. Aber nicht nur der Pflanzensaft selbst ist gefährlich, auch der bloße Kontakt mit der Pflanze selbst kann bereits ausreichen. Denn die Pflanze besitzt Brennhaare, ähnlich wie wir sie von der Brennnessel her kennen, die bei Kontakt mit der Haut ein Gift absondern.

Im Pflanzensaft sind sogenannte phototoxische Stoffe, Furocumarine, enthalten. Durch ultraviolette Strahlung, also durch direktes Sonnenlicht, entfalten diese ihre Wirkung und sorgen so für schlimme Hautverbrennungen. Häufig erinnern die Verletzungen an eine Verbrennungen oder Verätzungen, sehr oft kommt es auch zur Bildung großer Blasen. Insgesamt sind die Verletzungen sehr schmerzhaft. In der Regel heilen die Wunden nur sehr langsam, wodurch Narben und auch Pigmentierungen entstehen können.

Je nachdem, wie empfindlich die Haut ist, erfolgt die hautreizende Reaktion mal schneller mal langsamer. Vor allem in der Zeit von einer halben bis zwei Stunden nach dem Hautkontakt mit der Pflanze ist die Gefahr besonders groß. Vor allem an besonders heißen Tagen kann der Aufenthalt in der Nähe der Herkulesstaude gefährlich werden. Denn hier können die Furocumarine sogar über die Luft eingeatmet werden und so auf Dauer zu Fieber und Schweißausbrüchen, ja sogar zu Atemnot bis hin zum Kreislaufzusammenbruch führen.

Gefahr erkannt, Gefahr gebannt – So wird die Herkulesstaude effektiv bekämpft

Die Herkulesstaude ist eine sehr dominante Pflanze mit einem extrem hohen Überlebenswillen. Die Bekämpfung der Herkulesstaude ist sehr aufwendig und auch gar nicht so einfach wie bei vielen anderen Unkräutern. Ihre Blütezeit ist von Juli bis September. Während dieser drei Monate hat die Pflanze genug Zeit, ihre bis zu 50.000 Samen auszubilden und abzuwerfen. Dadurch breitet sich die Herkulespflanze auch extrem schnell in ihrer Umgebung aus und nimmt schnell immens große Flächen ein. Erschwerend kommt noch hinzu, dass die Samen bis zu zehn Jahre nach ihrem Abwurf noch keimen können. Daher kann die Pflanze auch viele Jahre nach ihrer vermeintlichen Beseitigung erneut auftauchen.

Um die Herkulesstaude effektiv zu bekämpfen, ist es wichtig, mit der Beseitigung unbedingt vor der ersten Blüte zu beginnen, also noch vor Juni. Im Idealfall wird die Beseitigung in Angriff genommen, solange die Pflanze noch recht klein ist und noch keine Dolden gebildet hat. Außerdem wählt man am besten einen Tag, an dem der Himmel bedeckt ist und keine Sonne scheint. Denn das Pflanzengift reagiert nur in Verbindung mit UV-Strahlen.

Zuerst sollte die Staude in der Höhe gekappt werden. Die abgeschnittenen Pflanzenteile müssen unbedingt gut verpackt und als Sondermüll entsorgt werden. Auf keinen Fall dürfen diese auf den herkömmlichen Kompost oder in den kommunalen Biomüll geworfen werden, um eine weitere Ausbreitung zu verhindern. Ist dies erledigt, wird der restliche Vegetationskegel in Angriff genommen. Im Idealfall wird die gesamte Pflanze vollständig ausgegraben und mitsamt der kompletten Wurzel entfernt.

Und täglich grüßt das Murmeltier…

Da die Samen der Pflanze viele Jahre überdauern können, ist der Kampf gegen die Herkulesstaude leider nach einmaliger Entfernung – und mag sie auch noch so gewissenhaft durchgeführt worden sein – noch lange nicht gewonnen. Denn mit Sicherheit werden im nächsten Jahr wieder neue Pflanzen wachsen, die es ebenfalls wieder frühzeitig zu eliminieren gilt. Mit jedem darauffolgenden Jahr wird der Gesamtaufwand in der Regel deutlich geringer, bis schließlich nach etwa fünf bis zehn Jahren alle Spuren der Herkulespflanze beseitigt sein sollten und keine neuen Samen mehr austreiben können.

Herkulesstaudenfreies Siegtal

Etwa 15 Kilometer östlich von Bonn befindet sich das beschauliche Siegtal. In Eitorf hat sich jetzt die Naturschutzinitiative KulturBiotop Siegtal daran gemacht der Herkulesstaude den Garaus zu machen. Dass das auch ohne Fördermittel des Landes zu bewerkstelligen ist, hat die Naturschutzinitiative in Eitorf in zahlreichen Aktionstagen unter Beweis gestellt. An sieben Samstagen beseitigten dort aktive Bürger auf ca. 100.000 qm Fläche die Herkulesstaude, gruben die Kolben aus und schafften diese in Zusammenarbeit mit dem Bauhof der Gemeinde ordnungsgemäß an eine Entsorgungsstelle, die in einem speziellen Kompostierverfahren die Pflanzenteile unschädlich machten.

Ralph Lorenz, der Gründer der Initiative hat sich rechtlich abgesichert, alle erforderlichen Sicherheitsvorkehrungen getroffen und ist dann mit seinem Team aktiv geworden. Ehrenamtlich, ohne Aufwandsentschädigung, getrieben allein vom Naturschutzgedanken.

Dass die Problematik der invasiven Neophyten dringender dennje ist zeigt auch der Fernsehbeitrag von Arte „Invasion der Pflanzen“ Biologische Eindringlinge bedrohen die Pflanzenwelt Europas. http://www.arte.tv/guide/de/049261-000/invasion-der-pflanzen

Insofern ist jedem aufmerksamen Beobachter geraten die Pflanzen bei der Naturschutzbehörde des Landkreises oder der Biologischen Station zu melden, damit gegen diese gefährlichen Eindringlinge vorgegangen werden kann.

Hautkontakt vermeiden

Bei der Beseitigung der Herkulesstaude ist es zwingend erforderlich, Schutzkleidung zu tragen, die den gesamten Körper verdeckt. Auch der Kopf sollte geschützt werden. Nur so kann ein Hautkontakt vermieden werden. Kommt es doch zum Hautkontakt, sollte die betroffene Hautpartie sofort mit Wasser und Seife gründlich abgewaschen werden, um das Gift von der Haut zu entfernen.

 

Fotos:

„Heracleum mantegazzianum (Riesen-Bärenklau) #apiaceae“ by retemirabile, https://www.flickr.com/photos/kalt/7407664932 is licensed under a Creative Commons license (CC BY-SA 2.0): https://creativecommons.org/licenses/by-sa/2.0

„4 Tage später“ by Rosmarie Voegtli, https://www.flickr.com/photos/rvoegtli/4338064234 is licensed under a Creative Commons license (CC BY 2.0): https://creativecommons.org/licenses/by/2.0